Vorbemerkung
George Orwells „Farm der Tiere“ (Originaltitel: Animal Farm: A Fairy Story) ist ein 1945 veröffentlichtes Werk, das als eine der eindringlichsten politischen Fabeln in die Weltliteratur eingegangen ist.1 In seiner scharfsinnigen literarischen Darstellung verknüpft Orwell eine scheinbar einfache Tiergeschichte mit einem tiefgreifenden sozialen und politischen Kommentar.4 Das Werk entstand in einer Zeit des politischen Umbruchs und war ursprünglich mit erheblichen Veröffentlichungsschwierigkeiten konfrontiert, da die offene Kritik am sowjetischen System als politisch unpassend galt, während die Sowjetunion noch ein Verbündeter der westlichen Alliierten im Kampf gegen Nazi-Deutschland war.5
Der vorliegende Bericht analysiert die vielschichtigen Ebenen von „Farm der Tiere“. Er beleuchtet zunächst die detaillierte Allegorie der Russischen Revolution, die Orwells Erzählung als historisches Abbild prägt. Anschließend werden die universellen Kernthemen wie die Korruption der Macht und die Manipulation durch Propaganda erörtert. Ein weiterer Fokus liegt auf dem prägenden Einfluss von Orwells persönlichen Erfahrungen, insbesondere im Spanischen Bürgerkrieg, auf die Entstehung des Werks. Abschließend wird die anhaltende Relevanz der Botschaft des Buches in der modernen politischen Landschaft untersucht und es wird in einen größeren literarischen Kontext gestellt.8
1. Die Handlung und ihre Charaktere als Allegorie der Russischen Revolution
Dieser Abschnitt entschlüsselt die Handlung von „Farm der Tiere“ als präzises, allegorisches Spiegelbild der russischen und sowjetischen Geschichte. Orwells Nutzung anthropomorphisierter Tiere ermöglicht eine klare Darstellung der historischen Ereignisse und der involvierten Akteure, die über bloße Gleichsetzungen hinausgeht und ihre jeweiligen Funktionen und Verhaltensweisen innerhalb der revolutionären Dynamik beleuchtet.8
1.1. Zusammenfassung der Erzählung: Von der Utopie zur Dystopie
Die Geschichte beginnt auf der sogenannten „Herren-Farm“, die vom despotischen und alkoholabhängigen Farmer Mr. Jones geführt wird, einer klaren Allegorie auf das Zarenregime unter Zar Nikolaus II..13 Die Vernachlässigung und Ausbeutung der Tiere durch ihren Besitzer schafft die Voraussetzungen für eine Revolution, die von Old Major, einem alten Keiler, inspiriert wird.13 Old Major, der sowohl Karl Marx als auch Wladimir Lenin verkörpert, träumt von einer gerechten, klassenlosen Gesellschaft, in der alle Tiere frei und gleich sind. Seine visionären Ideen, die als „Animalismus“ bekannt werden, bilden die theoretische Grundlage für den Aufstand.14
Nach Old Majors Tod übernehmen zwei intelligente Schweine, Napoleon und Schneeball, die Führung.13 Der anschließende ideologische Machtkampf zwischen ihnen spiegelt die historische Auseinandersetzung zwischen Josef Stalin und Leo Trotzki um die Nachfolge Lenins wider.8 Schneeball repräsentiert dabei den idealistischen Revolutionär, während Napoleon den skrupellosen, machthungrigen Autokraten darstellt. Die gewaltsame Vertreibung Schneeballs durch Napoleons abgerichtete Hunde markiert den Wendepunkt der Erzählung, der den Beginn einer totalitären Schreckensherrschaft signalisiert.9 Die Farm versinkt in eine Tyrannei, die durch Propaganda, Manipulation und Verrat gekennzeichnet ist.19
Die Herrschaft der Schweine kulminiert in einer endgültigen und zynischen Verwandlung. Die Schweine nehmen nach und nach menschliche Verhaltensweisen an, wie das Trinken von Alkohol und das Gehen auf zwei Beinen.2 Die abschließende Szene, in der die Tiere durch das Fenster blicken und die Schweine nicht mehr von den Menschen unterscheiden können, symbolisiert den vollständigen Verrat an den revolutionären Idealen. Die Revolution hat nicht zu einer Verbesserung, sondern lediglich zum Ersatz des alten Tyrannen durch einen neuen, noch brutaleren, geführt.2
1.2. Detaillierte Charakteranalyse und ihre historischen Entsprechungen
Orwell hat seine Charaktere sorgfältig als Stereotypen und allegorische Figuren entworfen, die spezifische Gruppen und Individuen der menschlichen Gesellschaft repräsentieren.8
Old Major (Karl Marx und Wladimir Lenin): Old Major ist der intellektuelle Anstifter der Revolution. Er liefert die theoretische Grundlage des Animalismus, vergleichbar mit Karl Marx, und entfacht den revolutionären Impuls, ähnlich wie Wladimir Lenin.2 Sein Tod, bevor die Revolution stattfindet, spiegelt Lenins Tod und die spätere posthume Verehrung seines einbalsamierten Körpers wider, die im Roman durch das Aufstellen von Old Majors Schädel symbolisiert wird.2
Mr. Jones (Zar Nikolaus II.): Der unfähige, betrunkene Farmer ist eine offensichtliche Entsprechung für Zar Nikolaus II., dessen Unvermögen und schlechte Führung die Russische Revolution von 1917 erst ermöglichten.14
Napoleon (Josef Stalin): Napoleon wird als skrupelloser, machthungriger Diktator dargestellt.17 Er konsolidiert seine Macht durch brutale Gewalt und Angst. Die heimliche Aufzucht einer Hundemiliz, die der stalinistischen Geheimpolizei NKWD/KGB entspricht, und die Vertreibung seines Rivalen Schneeball sind direkte Parallelen zu Stalins Machtergreifung und seinen Säuberungen.9 Napoleons Aneignung von Schneeballs Windmühlenidee, nachdem er sie zunächst abgelehnt hatte, ist eine Allegorie auf Stalins Fünfjahrespläne zur Industrialisierung.12
Schneeball (Leo Trotzki): Er ist die allegorische Darstellung von Leo Trotzki, dem intellektuellen und visionären Revolutionär.14 Schneeballs Ideen für eine elektrifizierte Farm und seine Versuche, die Tiere zu bilden, zeigen seinen Idealismus. Sein Exil und die anschließende systematische Dämonisierung durch Napoleon spiegeln Trotzkis Vertreibung und Diffamierung durch Stalins Propaganda wider.8
Squealer (Propagandaapparat): Squealer ist die Personifizierung der Propaganda.17 Seine Fähigkeit, „schwarz in weiß“ zu reden, verkörpert die Manipulation der Wahrheit und der öffentlichen Wahrnehmung.19 Er rechtfertigt Napoleons Handlungen, verbreitet Lügen und manipuliert die Erinnerungen der Tiere, ähnlich wie die sowjetische Presse, insbesondere die Zeitung
Prawda.12Boxer (das Proletariat): Das Arbeitspferd Boxer symbolisiert die hart arbeitende, aber naive und unkritische Arbeiterklasse.8 Seine Losungen „Ich will härter arbeiten“ und „Napoleon hat immer recht“ stehen für eine grenzenlose Loyalität, die bis zu seiner vollständigen Ausbeutung und seinem Verrat führt, als er, nachdem er nutzlos geworden ist, an den Schlachter verkauft wird.8
Moses (Religion): Der Rabe Moses, der von einem mythischen „Zuckerberg“ erzählt, repräsentiert die institutionalisierte Religion (die russisch-orthodoxe Kirche).14 Seine Erzählungen versprechen den Tieren ein besseres Leben im Jenseits und halten sie dadurch ruhig, was Napoleon ausnutzt, indem er Moses schließlich wieder auf der Farm duldet und mit Nahrung versorgt.24
Tabelle 1: Allegorische Entsprechungen in „Farm der Tiere“
Charakter | Allegorische Rolle | Historische Entsprechung |
Old Major | Der Vordenker der Revolution | Karl Marx / Wladimir Lenin |
Mr. Jones | Der verhasste alte Herrscher | Zar Nikolaus II. |
Napoleon | Der skrupellose Diktator | Josef Stalin |
Schneeball | Der idealistische Rivale | Leo Trotzki |
Squealer | Der Propagandist und Manipulator | Die sowjetische Presse (z. B. Prawda) |
Boxer | Die naive, hart arbeitende Masse | Das russische Proletariat |
Moses | Die institutionalisierte Religion | Die Russisch-Orthodoxe Kirche |
2. Zentrale Themen: Eine tiefgehende Analyse von Macht und Ideologie
Orwells Kritik in „Farm der Tiere“ geht über die spezifischen historischen Ereignisse der Sowjetunion hinaus und entfaltet universelle Einsichten in die Dynamiken von Macht und die Korrumpierbarkeit der menschlichen Natur. Das Werk dient als allgemeingültiges Mahnmal, wie idealistische Revolutionen in Tyranneien abgleiten können.9
2.1. Die Korruption der Macht: Ein schleichender Verrat
Das zentrale Thema des Buches ist die Korruption der Macht. Es veranschaulicht, dass das Erreichen der Macht oft einfacher ist als der ethische Umgang mit ihr.1 Die Revolution auf der Farm gelingt relativ schnell und ohne große Verluste, doch der eigentliche Kampf beginnt erst danach, als die Schweine beginnen, die Kontrolle zu pervertieren.9 Das Symbol für diesen Verrat ist die schrittweise Änderung der Sieben Gebote des Animalismus. Diese Regeln, die ursprünglich das Fundament der neuen, gleichen Gesellschaft bilden sollten, werden von den Schweinen heimlich und zynisch umgeschrieben, um ihre eigenen Privilegien zu rechtfertigen.2 Der Höhepunkt dieses Prozesses ist die finale Regel: „Alle Tiere sind gleich, aber einige Tiere sind gleicher als andere“.2 Dies dokumentiert nicht nur den moralischen Niedergang der Schweine, sondern legitimiert Ungleichheit und Unterdrückung als offizielle Staatsdoktrin.8 Die Schweine, die ursprünglich die Menschen für ihre Laster verurteilten, übernehmen allmählich dieselben Gewohnheiten – sie schlafen in Betten, trinken Alkohol und tragen Kleidung.2 Diese Metamorphose der neuen Herrscher in die alten Tyrannen zeigt, dass die Macht selbst die korrumpierende Kraft ist, die Ideale aushöhlt und zur Wiederholung alter Fehler führt.9
Tabelle 2: Die Aushöhlung der Sieben Gebote
Ursprüngliches Gebot | Verändertes Gebot | Bedeutung der Änderung |
Kein Tier soll in einem Bett schlafen. | Kein Tier soll in einem Bett mit Laken schlafen. | Rechtfertigt, dass die Schweine in Betten im Farmhaus schlafen. |
Kein Tier soll Alkohol trinken. | Kein Tier soll Alkohol im Übermaß trinken. | Erlaubt den Schweinen, Alkohol zu konsumieren. |
Kein Tier soll ein anderes Tier töten. | Kein Tier soll ein anderes Tier ohne Grund töten. | Legitmiert die blutigen Massensäuberungen durch Napoleon. |
Alle Tiere sind gleich. | Alle Tiere sind gleich, aber einige Tiere sind gleicher als andere. | Offizielle Legitimation der Ungleichheit und der Vorherrschaft der Schweine. |
2.2. Propaganda und die Kontrolle der Erzählung: Die Macht der Sprache
Die Manipulation von Sprache und Wahrheit ist ein weiteres zentrales Thema, das Orwell in „Farm der Tiere“ meisterhaft darstellt. Der Propagandist Squealer ist die Verkörperung dieser Thematik.17 Er nutzt seine rhetorischen Fähigkeiten, um Napoleons Handlungen zu rechtfertigen und die Massen zu kontrollieren. Squealer setzt dabei verschiedene Taktiken ein: Er spielt mit der Angst der Tiere vor der Rückkehr von Mr. Jones, um Abweichungen von den ursprünglichen Regeln zu erklären.22 Er umschreibt die Geschichte ständig neu, indem er etwa behauptet, die Windmühlenidee sei von Anfang an Napoleons Idee gewesen.12 Orwell unterstreicht hier die Gefahren von Unwissenheit und mangelnder Bildung. Da die meisten Tiere kaum lesen oder sich an die ursprünglichen Gebote erinnern können, sind sie den Lügen und Verdrehungen der Schweine hilflos ausgeliefert.8
2.3. Totalitarismus als Warnung: Die Errichtung einer Dystopie
„Farm der Tiere“ ist eine anti-utopische Satire, die eine fundierte Kritik an totalitären Regimen übt.25 Die Schweine errichten eine totalitäre Herrschaft, die alle Aspekte des Lebens kontrolliert und traditionelle soziale Institutionen unterdrückt, um die Bevölkerung in eine einheitliche, staatlich sanktionierte Bewegung zu integrieren.25 Die Angst vor der ständigen Bedrohung durch äußere Feinde oder imaginierte Verräter – wie der vertriebene Schneeball – wird instrumentalisiert, um die unkontrollierte Macht zu zementieren.9 Das Buch zeigt, wie die Verfolgung eines einzigen Ziels, der Errichtung der Schweinediktatur, alle anderen Ideale – Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit – untergräbt und in einer dystopischen Diktatur mündet, die schlimmer ist als das Regime, das sie ablöste.8
3. George Orwells politisches Vermächtnis und die Entstehung von „Farm der Tiere“
Die Botschaft des Romans ist untrennbar mit dem Leben seines Autors verbunden. Orwells Biografie ist nicht nur der Hintergrund des Werks, sondern liefert die kausalen Ursprünge seiner zentralen Kritik.10
3.1. Die Prägung durch den Spanischen Bürgerkrieg
Eine entscheidende Wende in Orwells politischem Denken war seine Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939).10 Er war als Journalist nach Spanien gekommen, um für die republikanische Seite gegen den Faschismus zu kämpfen, wurde aber schnell von der revolutionären Begeisterung mitgerissen und schloss sich der trotzkistischen POUM-Miliz an.27 In Spanien wurde er jedoch Zeuge des internen Machtkampfs zwischen den verschiedenen linken Fraktionen, bei dem die stalinistisch kontrollierten Kräfte gezielt ihre ideologischen Rivalen – insbesondere die POUM – mit brutaler Gewalt und systematischer Propaganda verfolgten.10 Orwell sah mit eigenen Augen, wie die stalinistische Presse Lügen verbreitete, die seine Kameraden als „Trozkisten“ und „Verräter“ diffamierten, und er schrieb später, dass dies das erste Mal in seinem Leben war, dass er die Verfälschung der Geschichte durch Propaganda erlebte.10 Dieses Erlebnis entlarvte für ihn, dass Totalitarismus nicht nur eine Gefahr von rechts, sondern auch von links ist, und prägte seinen lebenslangen Antistalinismus.30 Diese Desillusionierung war der direkte Impuls für die Schaffung von „Farm der Tiere“ und diente als Blaupause für die Mechanismen von Kontrolle und Propaganda, die im Roman dargestellt werden.27
3.2. Die Schwierigkeiten der Veröffentlichung und die Ironie des Erfolgs
Das Manuskript von „Farm der Tiere“ wurde während des Zweiten Weltkriegs von mehreren Verlegern abgelehnt, da sie eine Veröffentlichung als politisch heikel ansahen.5 Die offene Satire auf Stalin und die Sowjetunion, die zu dieser Zeit ein wichtiger Kriegspartner war, war nicht erwünscht.5 Einer der prominentesten Ablehner war T. S. Eliot, der als Direktor des Verlags Faber & Faber die Politik als zu „trotzkistisch“ empfand.6 Die ironische Wendung besteht darin, dass das Buch, das die staatliche Manipulation von Erzählungen kritisierte, erst dann breite Anerkennung und kommerziellen Erfolg fand, als die sich wandelnden globalen Beziehungen mit dem Beginn des Kalten Krieges die anti-sowjetische Botschaft politisch opportun machten.1
Diese Ironie vertiefte sich mit der Verfilmung des Buches von 1954, die eine bemerkenswerte Geschichte der politischen Vereinnahmung darstellt.32 Wie später bekannt wurde, wurde die Produktion dieses Animationsfilms teilweise von der CIA finanziert. Das Drehbuch wurde auf Anweisung der Agentur so geändert, dass es ein optimistisches Ende mit einem erfolgreichen Aufstand gegen die Schweine enthielt, anstatt das nihilistische Ende des Romans zu übernehmen, in dem die Schweine fest im Sattel sitzen.32 Die CIA nutzte das Werk als Teil ihrer antikommunistischen Propagandakampagne. Dies ist ein eindrückliches Beispiel dafür, wie ein Kunstwerk, das die Gefahren von Propaganda und Machtmissbrauch anprangert, selbst zu einem Werkzeug staatlicher Propaganda gemacht wurde – ein Phänomen, das Orwell selbst zutiefst verurteilt hätte.33
4. Die zeitlose Relevanz von „Farm der Tiere“ in der modernen Welt
Trotz seiner spezifischen historischen Bezüge ist die Botschaft von „Farm der Tiere“ nach wie vor von beängstigender Aktualität.3 Die im Roman beschriebenen Mechanismen der Macht und Manipulation sind universell und über den historischen Kontext der Sowjetunion hinaus relevant.
4.1. Ein universelles Mahnmal: Totalitarismus jenseits der Sowjetunion
Die Erzählung fungiert als eine allgemeingültige Warnung vor totalitärer Herrschaft und der Aushöhlung von Freiheiten, die in vielen modernen autoritären Regimen weltweit erkennbar ist.26 Die Parallelen zwischen der „Tyrannei der Schweine“ und den Regimen in Ländern wie Kuba, Venezuela, China oder Nordkorea werden häufig gezogen.3 Der Roman zeigt, dass die Art des Ideals – ob sozialistisch oder anders – zweitrangig ist, wenn die Herrscher ihre Macht missbrauchen. Die einfache, fabelhafte Struktur des Buches macht es zu einem wirksamen pädagogischen Werkzeug. Orwell verstand, dass komplexe politische Sachverhalte in einer einfachen und zugänglichen Form vermittelt werden müssen, um eine breite Masse zu erreichen. Genau diese Einfachheit ermöglicht es, die Kernbotschaften über Propaganda und Machtmissbrauch auf neue Kontexte zu übertragen und sie so zeitlos zu halten.
4.2. Die neue Propaganda: Von Squealer zu Social Media
Die Rolle von Squealer findet in der modernen Welt eine frappierende Entsprechung in der Verbreitung von Fehlinformationen und Propaganda in den sozialen Medien.22 Wie die Schweine, die mit Slogans und verzerrten Fakten die Tiere manipulieren, nutzen heute viele Akteure im Internet vereinfachte Erzählungen, um Meinungen zu beeinflussen.22 Orwell demonstrierte, wie mangelnde Bildung und kritisches Denken die Tiere anfällig für Lügen machten.8 In der heutigen Informationsflut, in der Fakten und Meinungen oft kaum zu unterscheiden sind, wird die Rolle von Bildung und Medienkompetenz als Abwehr gegen Manipulation noch wichtiger. Der Roman ist ein Appell zur Wachsamkeit und zum kritischen Hinterfragen von Narrativen, egal ob sie von einem Diktator oder einem Social-Media-Influencer stammen.
5. Vergleich und kontextuelle Einordnung: „Farm der Tiere“ im literarischen Kanon
5.1. „Farm der Tiere“ als Vorläufer von „1984“
Orwells „Farm der Tiere“ und sein späterer Roman „1984“ sind eng miteinander verbunden. Beide Werke sind scharfe Kritiken an totalitären Regimen, die die Manipulation von Sprache und die Unterdrückung von Individualität und Emotionen thematisieren.38 Der entscheidende Unterschied liegt im Genre und im Fokus: Während „Farm der Tiere“ eine spezifische historische Allegorie ist, die den
Prozess des Machtmissbrauchs von der Revolution bis zum Verrat abbildet, ist „1984“ eine breite, abstrakte Dystopie, die die Methoden totalitärer Herrschaft in einem vollendeten Überwachungsstaat der Zukunft darstellt.11 Man kann „Farm der Tiere“ als die Fallstudie sehen, die das Fundament für die umfassendere theoretische Abhandlung in „1984“ bildete.40
5.2. Andere Dystopien
„Farm der Tiere“ steht im Kontext einer Welle von dystopischen Werken, die die Gefahren utopischer und totalitärer Ideologien anprangerten. So wie Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“ die Tendenzen seiner Zeit verspottete, indem es die Kontrolle durch Vergnügen und Konditionierung darstellte, verspottete Orwell in „Farm der Tiere“ die brutalen Mechanismen der Diktatur.41 Der Roman lässt sich auch mit Arthur Koestlers „Sonnenfinsternis“ vergleichen, das ebenfalls die stalinistischen Schauprozesse thematisiert, wobei Orwells Werk die Ereignisse durch die allegorische Fabelstruktur noch zugänglicher macht.42
Fazit und Ausblick: „Farm der Tiere“ als Appell zur Wachsamkeit
„Farm der Tiere“ ist mehr als nur eine historische Allegorie der Russischen Revolution. Es ist eine tiefgründige Fabel über die universelle und unvermeidliche Korruption der Macht, die zentrale Rolle von Propaganda und die Ausbeutung der loyalen Massen. Die Geschichte des Arbeitspferds Boxer bleibt die eindringlichste Mahnung des Romans: Seine unerschütterliche Loyalität und Arbeitskraft werden schamlos ausgenutzt, bis er, nutzlos geworden, verraten und zum Schlachter gebracht wird.19 Boxer symbolisiert die Tragödie der Arbeiterklasse, die in totalitären Systemen am meisten zu leiden hat.
Das Buch ist ein zeitloser Appell an Bildung, kritisches Denken und individuelle Wachsamkeit. Orwell fordert seine Leser auf, Narrative zu hinterfragen und die eigenen Freiheiten und Rechte zu verteidigen. Die eigentliche Lehre des Buches liegt in der Erkenntnis, dass die Verantwortung für die Bewahrung von Freiheit und Gleichheit letztendlich nicht bei den Führern, sondern bei den Geführten liegt.44 Nur wer wachsam ist und sich seiner Verantwortung bewusst ist, kann verhindern, dass der Traum von einer besseren Gesellschaft in eine Dystopie abgleitet.
Referenzen
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I read 1984 then Animal Farm, I think AF was a trial run for 1984 : r/books - Reddit, Zugriff am August 13, 2025, https://www.reddit.com/r/books/comments/c9lwej/i_read_1984_then_animal_farm_i_think_af_was_a/
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